LISBET Systems eG i.Gr. // Offener Brief

NANO Energy GmbH
MAGNUM Fuel Cell AG
Frau Michelle Boos
Haasstrasse 9

64293 Darmstadt

Bobingen, den 22.07.2010

Betreff:
Förderprojekt >Zukunftsfähige Elektromobilität in der Modellregion München mit “U3C Kurier” Nutz- und Verteilerfahrzeugen<

Hier:
Booshafte Geschichten – Klageführung über die ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Michelle Boos

Sehr geehrte Frau Boos,

vor fast genau einem Jahr wurden Sie bei der Gründungs- und ersten Generalversammlung einstimmig zur Vorsitzenden des Aufsichtsrats der LISBET Systems EG gewählt.

Gründungsvorhaben für die LISBET eG waren insbesondere die Ingangsetzung der Entwicklung von ultra-leichten Elektro-Kleintransportern neuartiger Technologie sowie die Planung und Durchführung der Produktion und des Vertriebs dieser Fahrzeuge, basierend auf den entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen der Mitglieder und Verbundpartner der Genossenschaft. Das Gründungsvorhaben war auch durch einen Förderantrag der LISBET Mitglieder und Verbundpartner im Rahmen des Konjunkturpakets II (Maßnahme 9 im Förderschwerpunkt “Modellregionen Elektromobilität”) ausgelöst, dem das zuständige Gremium des Verkehrsministeriums (NOW) eine priorisierte Bewilligung in Aussicht gestellt hatte (U3C Projekt).

Danach hat sich das U3C Förderprojekt wie folgt entwickelt:

  1. Abgestimmt mit Ihrem bevollmächtigten Vertreter, Herrn Carlo Parisel, wurde am 09.09.2009 dem NOW das Dokument “Qualitative Projektbeschreibung” in der von der “Richtlinie Zuwendungsantrag AZK” geforderten Gliederung in Berlin eingereicht. Als Antragstellerin fungierte die NANO Energy GmbH, deren geschäftsführende Gesellschafterin Sie sind. Die Tatsache, dass die LISBET Systems eG i.Gr. nicht als Antragstellerin auftreten konnte, war den Förderrichtlinien und Abstimmungen mit NOW geschuldet.
    Teil des Dokuments “Qualitative Projektbeschreibung” war die Darstellung, dass Sie, als Gesellschafterin des Antragstellers NANO Energy GmbH, einen dreistufigen Verwertungsplan für die U3C Fahrzeug-technologien verfolgen werden, welcher in Phase 2 (Marktvorbereitung mit 60 Prototypfahrzeugen für den Flotteneinsatz in München) eine mit 50% Zuwendungen geförderte Investition von ca. 10 Mio Euro umfasst und in Phase 3 (Marktangang und Aufbau einer Kleinserienproduktion) weitere 90 Mio Euro an Kapitalbereitstellung verlangt. Während Sie als Lead-Investorin den zuständigen Stellen des Verkehrsministerium gegenüber persönlich die volle Ausfinanzierung der Phase 2 und Phase 3 Projekte zugesichert hatten, sollten die Arbeiten der Stufe 1 (Vorprojektarbeiten bis zum Datum der planmäßigen Bewilligung des Förderantrags) von den U3C Verbundpartnern auf eigene Kosten erbracht werden. Bei Erfüllung dieser Bedingung waren Sie zur Konsortialführung des U3C Projekts und zum Kapitalengagement in Höhe von bis zu 100 Mio Euro bereit, was auch so geschah.
  2. Am 18.12.2009, nach umfangreicher Zuarbeit der U3C Partner, wurde von der NANO Gruppe, in Ihrem Auftrag, und vertreten durch die Herren Dr. Mäncher und Hauser, in Berlin beim Projektträger Jülich (PTJ) der Antrag auf Gewährung einer Bundeszuwendung fürs U3C Projekt eingereicht (Titel: Zukunftsfähige Elektromobilität in der Modellregion München mit “U3C Kurier” Nutz- und Verteilerfahrzeugen). An der Abfassung dieses “AZK Zuwendungsantrags” haben Sie wesentlich mitgewirkt, auch belegt durch Ihre persönlichen Abstimmungsgespräche mit Vertretern von PTJ und NOW.
    Diesen U3C Projektantrag, dessen Inhalt nach Aussagen der beim NOW Verantwortlichen als besonders förderwürdig eingestuft wurde, nahm das PTJ als Vorhaben FKZ 03KP533 unverzüglich in die Prüfung, damit bis zum 31.03.2010, und rückwirkend zum 1.1.2010, die Projektbewilligung erteilt werden kann.
  3. Am 9. Februar 2010 wurde die NANO Energy GmbH, in Person der Herren Dr. Mäncher und Hauser, vom Projektträger Jülich dringend aufgefordert, die noch fehlenden Antragsunterlagen nachzureichen, was jedoch nicht erfolgte. Am 17. März habe ich mich, als Sprecher der U3C Partner, persönlich in die Abstimmungen mit dem PTJ eingeschaltet, weil das Nicht-Tätigwerden der von Ihnen Beauftragten auch in Berlin mit Unverständnis aufgenommen wurde. Das Interventionsergebnis habe ich am 18.03.2010 in einer “ToDo-Liste” zusammengefasst und an alle Verantwortlichen von NANO und MAGNUM verteilt, mit Kopie an die zuständigen Prüfer des PTJ. Leider hat die Antragstellerin NANO, vertreten durch die Herren Dr. Mäncher und Hauser, nach dieser Initiative die fehlenden Dokumente wiederum nicht ans PTJ übermittelt.
  4. Am 31.03.2010, dem Tag des Ablaufs der Prüfungsfrist, erhielt ich einen dringenden Anruf des verantwortlichen Prüfers vom PTJ, der die sofortige Hereingabe von Unterlagen zur Bonität der NANO Energy GmbH erbat, insbesondere Jahresabschlüsse und Wirtschaftsplan. Ebenso wurde um Auskünfte über die projektbezogene Bonität der NANO Energy GmbH gebeten – d.h. Verfügbarkeit eines Budgets von 5 Mio Euro zur Durchfinanzierung des Vorhabens FKZ 03KP533.
    Meine sofortige Intervention bei Herrn Dr. Mäncher und anderen zuständigen Verantwortlichen von NANO und MAGNUM ergab keine situationsgerechte Reaktion, keinerlei Bereitschaft zur Nachweisführung, was vom PTJ mit größtem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde und das Ende fürs U3C Förderprojekt bedeutete.

Heute, sehr geehrte Frau Boos, fast vier Monate nach diesem Verlust unseres vorgenehmigten Projekts, bei dem wir vom Bundesverkehrsministerium und der Landeshauptstadt München mit großem Wohlwollen unterstützt wurden, wissen wir, dass Sie seinerzeit nicht nur das Scheitern des U3C Projekts in Kauf genommen haben, sondern persönlich, als geschäftsführende Gesellschafterin der Firmen NANO und MAGNUM, aktiv und mit Vorsatz am Scheitern des U3C Förderprojekts mitgewirkt haben.

Vor diesem Hintergrund mache ich Ihnen persönlich und den von Ihnen geführten Firmen folgende Vorwürfe:

  1. Sie haben absichtlich und vorsätzlich die Offenlegung des wirtschaftlichen Hintergrunds der NANO-MAGNUM Gruppe und insbesondere der NANO Energy GmbH beim PTJ bis zum letzten Tag der Antragsfrist hinausgezögert und Ihren Mitarbeitern und Geschäftsführern aufgetragen, keinerlei Aufschlüsse zum wirtschaftlichen Status Ihrer Gesellschaften herauszugeben.
  2. Sie haben vorsätzlich die besondere Bedeutung des U3C Projekts für Ihre hauptsächliche Tätigkeit genutzt, nämlich als Kapitalanlage-Vermittlerin und Tied Agent wohlhabende Personen, Institutionen und Unternehmen für ein Engagement bei Investment Gesellschaften zu gewinnen, die Sie vertreten.

Das also ist das Bild, das wir heute von Ihnen haben: mit Ihren wahrlich booshaften Geschichten haben Sie demonstriert, wie man Menschen kostenlos für sich arbeiten lässt, Rechnungen nicht bezahlt, Verträge nicht einhält, Geschäftspartnern durch kreative Stories Geldanlagen abschwatzt, und sich mit solchem Geschäftsgebaren ungeniert bereichert. Nach Lage der Dinge, wie wir sie heute vorfinden und verstehen, drängt sich der Verdacht auf, Sie handelten in betrügerischer Absicht.

Insoweit ist es nur konsequent, dass Sie am 17.06.2010 Ihr Amt als Aufsichtsratsvorsitzende der LISBET Systems eG i.Gr. niedergelegt haben, in das Sie am 31.07.2009 gewählt wurden.

Durch Ihren Charakter und Ihr Verhalten haben Sie als Aufsichtsratsvorsitzende und U3C Verbundpartner nicht nur der Gesellschaft LISBET Systems eG i.Gr. besonders großen Schaden zugefügt, sondern auch den im Projekt tätigen Partnern (Unternehmen, Institutionen und Personen), die Ihren Visionen und Versprechungen Treu und Glauben schenkten, als Sie ins Amt gewählt waren, um das U3C Projekt zu befördern. Dies begründete auch die Bereitschaft der U3C Partner, auf eigene Kosten zu arbeiten, stets im Vertrauen darauf, dass mit der Bestätigung seiner Förderfähigkeit das U3C Projekt von Ihnen planmäßig ausfinanziert wird, einschließlich die rückwirkende Bezahlung von Leistungen, soweit von Ihnen zugesagt.

Heute wissen wir, dass genau dies niemals Ihre Absicht war, sondern wir alle wurden von Ihnen benutzt und missbraucht. Nicht der gegenseitige Vorteil war Ihre Handlungsmaxime, sondern offensichtlich nur der eigene. Wir behalten uns deshalb vor, für die entstandenen Einbußen Schadensersatz gegen Sie und Ihre verantwortlichen Mitarbeiter einzufordern, so wie wir uns auch die Freiheit nehmen werden, Ihr nicht selten unseriöses Geschäftsgebaren anhand von konkreten Fälle offen zu legen.

gez.
Gerhard Nähr
Generalbevollmächtigter LISBET Systems eG i.Gr.